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Andachtstexte

09.05.2020

Geistliches Wort zum Sonntag Kantate, 10.05.2020

Sonntag Kantate: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ (Ps.98, 1)

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wenn Christen zusammenkommen, dann singen sie. Daran hat sich in den letzten 2000 Jahren bis in die Gegenwart hinein nichts geändert. Andere tun das freilich auch: Der eine vielleicht weniger professionell als die andere. Vom kleinen Singkreis angefangen über größere Chöre bis hin zu Musikkonzerten, die zum Mitmachen und Mitsingen einladen.

Spektakulär z.B. sind die Gesänge in Fußballstadien. „You´ll never walk alone“. Und wenn auf diese Weise hunderte Fans auf den Rängen aus vollen Lungen singen, voller Begeisterung über die gewinnende Heimmannschaft, dann kann ich das erhebende Gefühl nachempfinden, welches die begeisterte Menge da überkommt. „Gänsehaut – Atmosphäre“, schwärmte unlängst ein fußballbegeisterter und bekennender Borussiaanhänger.

Aber schön wäre es auch, wenn denn das, was die Fans da im Chor hundertfach anstimmen, jede/r Einzelne ebenso in anderen Situationen des Lebens auch wirklich glauben und leben würde: „You´ll never walk alone“ – dann kämen sie damit sogar dem Selbstverständnis des christlichen Glaubens erstaunlich nahe! -

All` diese ur-menschlichen Bedürfnisse und alltäglichen Lebensäußerungen als Ausdruck unserer „Lebendigkeit“ müssen jedoch offensichtlich derzeit in Frage gestellt werden: Corona hält die Weltbevölkerung weiterhin in Atem. Und auf Stadiongesänge werden die Fußballfans vorerst verzichten müssen (und Geisterspiele am TV zu verfolgen, ersetzt eben nicht die Life-Atmosphäre in einer mitsingenden Fankurve). Und nicht nur Stadien, Theater, Konzertsäle - auch unsere Gotteshäuser sind größtenteils immer noch geschlossen. Gottesdienste, die unter den weiterhin geltenden Auflagen und Schutzbestimmungen langsam wieder in begrenzten Teilnehmerzahlen anlaufen werden in den kommenden Wochen – schön und gut; aber auf das gemeinsame Singen der Lieder und Choräle wird man immer noch verzichten müssen. Leider. Mir selber fehlt dieses Singen in der Gemeinschaft sehr – wie geht es Ihnen damit…?

Allerdings gibt es zwischen den Gesängen in der Kirche und im Stadion dann doch einen deutlichen Unterschied – in „normalen“ Zeiten jedenfalls. Wenn eine Fußballmannschaft grottenschlecht spielt und verliert, dann werden die Gesänge ihrer Anhänger im Stadion immer leiser und verstummen oft ganz.

Die Christen singen dagegen in ihren Gottesdiensten und Zusammenkünften immer weiter, sogar dann, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie leiden, wenn sie verzweifelt sind. Die alten Psalmenlieder, aber auch die neueren geistlichen Lieder und Gospelgesänge sind eindrucksvolle Beispiele dafür. Weil Christen wissen, dass unsere Welt und unser Leben von Gott niemals preisgegeben wird! Weil Christen gerade in diesen nachösterlichen Tagen in dem lebendigen Herrn Jesu erfahren haben, dass das Leben über den Tod siegt! Das macht sie getrost und gelassen trotz allem, was um sie herum geschieht.

Gesang und Musik als Möglichkeiten, Gott zu preisen – das ist eins der schönsten Geschenke, die Gott uns macht. Gott zu loben, das darf und soll Freude machen: Durch die Musik können wir direkt mit unserem Herzen Gottes Herz berühren.

„Singt dem Herrn ein neues Lied!“ Dass es ein neues Lied sein soll, macht deutlich: Gott erwartet unsere Antwort! Er will unsere Lebendigkeit! Gott mag unsere Kreativität! ER liebt die Vielfalt der Kulturen! Zu jeder Zeit dürfen Menschen in aller Welt neue Formen suchen und finden, um Gott zu loben mit Wort und Stimme, mit Instrumenten und Gesang! (Selbst in Zeiten von Corona)

Denn, kein Zweifel: Das alte Lied, unsere alte Leier, die alltägliche Klage und das Lamento unserer Unzufriedenheit, Undankbarkeit und bornierten Selbstgerechtigkeit– das kennt Gott ja bereits zu genüge! Und es gibt ja viele Varianten vom alten Lied. Das ewig alte Lied könnte heißen: "Früher war alles besser!" - Oder: "Ach, wenn ich doch noch wie damals…!“ - Oder: “Das haben wir immer schon so gemacht!“ – „Du wirst dich niemals ändern!“ - Und auch: “Die Hölle, das sind die anderen!“ (Jean-Paul Sartre)

Statt dieser alt - bekannten Leier, zu der wir leider immer wieder neigen, schlägt uns der Psalmbeter deshalb ein neues Lied vor. Es soll Gott, dem Herrn, gesungen werden, und es gibt auch einen Grund dafür. Der Grund steht in der zweiten Satzhälfte unseres Psalmwortes:

"Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder."

Das eröffnet einen völlig neuen Horizont unserer Sicht auf die Welt und eine tiefere Einsicht in das von Gott geschenkte Leben! Sie beinhalten, das Leben und jeden einzelnen Tag davon wie ein Wunder aus Gottes Hand zu nehmen. Sie ermutigen auch, mich nicht dauernd um mich selbst drehen zu müssen, sondern eine geschärftere Wahrnehmung zu bekommen für das, was mir geschenkt wurde, ohne selbst etwas dazu beigetragen zu haben. Das kann ein Blumenmeer auf freiem Feld sein, über das ich mich freuen kann genauso wie ein unverhofftes, freundliches Wort, das mir gilt, wo ich es nicht erwartet habe. Oder die größeren Wunder, wenn sich plötzlich neue Türen öffnen und neue Möglichkeiten auftun, die ich nicht gesehen habe und die mich dann frei machen, mich mehr meinen Mitmenschen mit ihren Freuden und Sorgen zuzuwenden.“ …denn ER tut Wunder!"

Das neue Lied zu singen hat nichts mit dem Lebensalter zu tun. Ich kenne sehr viele alte Menschen, denen höre ich gerne zu, wie sie immer noch ein „neues Lied“ anstimmen im Wissen, dass ihr Leben begrenzt ist. Ihr Geheimnis liegt darin, dass sie die Wunder sehen gelernt haben, die in ihrem Leben geschehen sind. Von Gott. Wenn ich so jemanden treffe, bekomme ich nicht die alte Leier zu hören, sondern im Gegenteil: große Dankbarkeit! Ich höre dann das Staunen darüber, über viele Jahre bewahrt geblieben zu sein, auch durch harte Zeiten hindurch. Ich höre Freude an den Kindern oder Enkelkindern. Ich höre Gelassenheit, trotz mancher Zipperlein und die Hoffnung darauf, dass auch jeder neue Tag kleine Wunder hervorbringen möge.- Immer wenn ich solche Menschen treffe, weiß ich, wie ich selbst in der Zeit meines bevorstehenden Ruhestandes sein möchte: Genauso, voller Gelassenheit und Zufriedenheit, das neue Lied auf den Lippen.

Ich glaube, man kann gar nicht früh genug anfangen, dieses neue Lied singen zu lernen! Gott ein neues Lied zu singen, bedeutet aber noch viel mehr. Es bedeutet, sich an jedem einzelnen Lebenstag zu freuen, der uns geschenkt ist und das Beste aus dem zu machen, was dieser Tag bereithält. Feiern wir deshalb den Sonntag Kantate, wenn auch für uns und im kleinen Kreise, wie einen anderen Festtag sonst auch! Singen wir Gott ein neues Lied und freuen uns an den Wundern, die ER für unser Leben für bis zum heutigen Tag bereitgehalten hat. Lernen wir, dieses Lied weiter zu singen, auch an den folgenden Tagen, auch an denen, die Gottweiß nicht so festlich aussehen - und wir werden weitere Wunder entdecken! Da bin ich sicher.

Ich wünsche uns für heute am Sonntag Kantate und für die neue Woche nicht nur, dass wir immer wieder solchen Menschen begegnen, die für uns den Himmel öffnen, sondern auch, dass wir selber zu Menschen werden, die das neue Lied auf den Lippen haben! So dass sich auch für andere der Himmel neu öffnen kann - auch wenn gerade in diesen Zeiten viele dunkle Wolken der Angst am Horizont auch uns zu lähmen drohen. Amen.

GEBET:

Herr, unser Gott, lieber himmlischer Vater,
von dir haben wir Geist und Wort, Mund und Stimme.
Du schenkst uns Glauben und Verstehen
und lässt uns Erfahrungen machen, durch die du uns bezeugst:
Wir loben und preisen all deine Wunder, die du an uns Menschenkindern tust;
gestern wie heute, und heute wie morgen.
Darum bitten wir dich:
Lass uns dich loben mit Herzen, Mund und Händen;
mit unserem Denken, mit unserem Lied.
Gib deiner Gemeinde das neue Lied,
das dein Wirken und deine Kraft vor aller Welt bezeugt
und unter uns Mut zum Leben schafft.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.
Amen.

Der Segen Gottes begleite Sie in die neue Woche. Seien und bleiben sie behütet und beschützt!

Ihr Volker Schran, Pfarrer

 

LIED: Singet dem Herrn ein neues Lied - EG 287
 
KV: Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.  
 
1. Er sieget mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm;
der Herr lässt sein Heil verkündigen,
er offenbart seine Gerechtigkeit.
 
KV: Singet dem Herrn...
 
2. Du meinst, Gott sei sehr verborgen,
seine Macht sei klein und gering?
Gott sähe nicht das, was dich bedrückt?
Sieh auf dein Leben, er hat dich bewahrt!
 
KV: Singet dem Herrn...
 
Text: Psalm 98, 1-2; Paulus Stein
Musik: Rolf Schweizer
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