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Andachtstexte

30.05.2020

Geistliches Wort zu Pfingstsonntag, 31.05.2020

Die Pfingstpredigt des Petrus (aus Apostelgeschichte 2) 22 Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – 23 diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. 33 Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. 36 So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. 37 Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am meisten beeindruckt mich - nach der an das Volk gehaltene Pfingstpredigt des Petrus - die Reaktion der Zuhörer damals: „Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz...“ - Man kann auch nahezu wörtlich übersetzen: „Als sie das hörten, wurden sie im Herzen >durchbohrt< “).

Ich denke dabei an ein Gefühl, wie eine plötzliche innere Klarheit. Ein Gespür wie dann, wenn ich plötzlich bloßgestellt werde, wenn ich nichts mehr zu meiner Verteidigung sagen kann. Das kann sehr schmerzlich sein. Das kann aber auch wohltuend befreiend und „heilend“ sein! Endlich ist die Wahrheit heraus! Endlich ist man den inneren Druck los, anderen etwas vorspielen zu müssen!

Die Leute hier fragen bang - und offensichtlich auch ratlos: „Was sollen wir tun?- Es ist immer gut, wenn Ratlosigkeit und banges Fragen eben nicht aus einem Gefühl der völligen Gleichgültigkeit heraus erwachsen, sondern aus einer ernsthaften Betroffenheit, wie hier: „Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz…“!

Mir hat es für das Verständnis von Pfingsten und vom Heiligen Geist eingeleuchtet, dass hier von einer göttlichen Kraft die Rede ist, die zu Herzen geht, menschlichen Herzen treffen und verändern kann!

Spätestens an dieser Stelle, liebe Leserin und Leser, halte ich einen kurzen Exkurs für unumgänglich: Wenn die Bibel vom Herz des Menschen redet, soll damit weniger auf die romantisch- verklärte bis kitschige Ebene menschlicher Gefühle hingeleitet werden (heutzutage z.B. immer noch vorfindlich in der Schlagerwelt oder im trivialen Liebesroman). – Sondern: Neben dem Begriff „Herz“ als lebenswichtiges Organ, von dessen regelmäßigem Schlag unser Leben abhängt, bezeichnet das Herz in der Bibel das Zentrum der menschlichen Person, in dem die geistlichen Entscheidungen über ihr Verhältnis zu Gott, über ihren Glauben oder Unglauben gefällt werden. „Herz“ ist in dem Sinne also das Zentrum des Personseins, unseres Willens – ihm entspringen unsere guten, „vernünftigen“ oder aber auch unsere bösen und niederträchtigen Gedanken…

Selbst dem rationalen Menschengeist hat es eingeleuchtet, dass im Herzen also etwas Wesentliches zur Sprache kommt, das selbst über den Verstand und die Rationalität noch hinausgeht! Etwas Entscheidendes außerdem, auf das es letztlich ankommt. Eine „Wahrheit, die uns unmittelbar angeht“. (Paul Tillich)

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“, sagt der Kleine Prinz in der gleichnamigen berühmten Geschichte von Antoine de Saint-Exupery, und fährt fort: „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Genau so wird es hier von den Leuten in Jerusalem berichtet. Mit ihren Augen hatten sie Jesus gesehen und erlebt, und doch war ihnen das Wesentliche verborgen geblieben bis zu diesem Moment, als das Herz getroffen war.

Blaise Pascal deutete das auf den Glauben: „Es ist aber das Herz, das Gott spürt, und nicht die Vernunft. Das (...) ist der Glaube: Gott im Herzen spüren und nicht in der Vernunft.“

Pfingstlich gesehen und gesprochen heißt das: Glauben bedeutet, das Herz für den Heiligen Geist öffnen, und im Heiligen Geist die Gegenwart Gottes spüren. Und sich durch Seine Kraft verändern lassen. Da geschieht „Geistesgegenwart“, wo ich unabhängig von Glaubenssätzen des Verstandes und auch gegen die Einwände des Zweifels im Herzen eine Nähe Gottes und einen Drang zu Ihn hin spüre. Und diese Kraft, die wirksam wird, kann sich dann sogar über Verstandeszweifel hinwegsetzen und neue Hoffnung - auch gegen den Augenschein - freisetzen.

Die Jünger, die sich wochenlang gefürchtet hatten, standen an Pfingsten plötzlich mutig auf, konnten den Leuten gegenübertreten, ihnen in die Augen sehen und eine überwältigende Hoffnung ausstrahlen.

Von diesem Gedanken her lässt sich auch brauchbare Vorstellung von diesem so schwer definierbaren „Heiligen Geist“ ableiten. Die Vorstellung von der „herzlichen“ Dimension des Geistes erlaubt es, dass wir uns von schwärmerischen Übersteigerungen abgrenzen: Sicherlich ist zum einen der Heilige Geist nicht einfach nur ein nüchterner Gedanke. Er drängt vielmehr dazu, dass wir Erfahrungen der Gegenwart Gottes machen. Wir sollten die Geisterfahrung suchen. Zum andern ist er nicht auf äußerliche Zeichen festgelegt, wie in manchen Gruppen, die den Geist für sich reklamieren und meinen, sie allein hätten ein Ausschließlichkeitsanspruch auf den Heiligen Geist. Wir sollten die Geisterfahrung nicht übertreiben.

Zusammenfassend sehe ich wieder das Bild mit dem Herzen und dem Pfeil vor mir, wie sie auch heute noch als Zeichen der Verliebten, in so manchen Bäumen oder Parkbänken eingeritzt, zu finden ist. Es ist, ohne emotionale Übersteigerungen gesehen, ja erst einmal ein Zeichen, ein Symbol der Verbundenheit zwischen zwei liebenden Menschen. Und je nach Geschmack mag den einen zu schwülstig oder den anderen zu banal erscheinen. Aber ich gebrauche es heute dennoch einmal als ein Bild für Pfingsten: Gottes Liebe erreicht die Herzen, dringt in sie ein und bewegt sie zur Liebe.

Der Heilige Geist ist die innere Gegenwart Gottes. Er wird spürbar in der ins Herz gehenden Klarheit der Botschaft von Jesus, in der Erfahrung der herzlichen Gegenwart Gottes und in „herzerfrischender“ Gotteskraft. Sie äußert sich in dem, was wir aus vollem Herzen vom Glauben leben und lieben, singen und sagen.

Genau diese Erfahrung der ersten Christen erreicht uns mit der Pfingstbotschaft. Ja, „wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ - und das öffnet wiederum andere Herzen!

Eine Pfingsterfahrung, die Mut macht. Diese Erfahrung wünsche ich uns allen – nicht allein an diesen beiden kirchengründenden Festtagen im Jahr! Amen.

 

GEBET (zu Ps. 118 von Peter Beier; EG 781)

Gott, Heiliger Geist.
Namenlos wird unsere Freude sein über den Tag, den du machst.
Denn geistverlassen und leer sind die Tage,
die wir mit nichtigen Plänen füllen.
 
Namenlos wird unsere Freude sein, wenn du wie ein Blitz
oder sanft unsere trüben Tage erleuchtest.
Denn geschäftig und geistlos ziehn wir vorbei
an den sichtbaren Zeichen der Hoffnung.
 
Namenlos wird unsere Freude sein.
Wenn du wieder mit deinem Brausen
das alte Haus der Kirche besuchst
und uns mit neuer Sprache begabst
und unsere kalten Herzen entzündest
wie Fackeln am Abend vor der Revolte.
 
Komm, Heiliger Geist, unverhoffter Schöpfer.
Beschere uns Phantasie für den Menschen
und die phantastische Gabe,
deine Schöpfung zu schützen
vor dem Terror und Schmutz unserer Habgier.
 
Kommst du endlich, wollen wir ein Fest anrichten,
daß selbst aus versteinerten Metropolen unser Gesang
das Leben schlägt und wiedergeboren wird
die Freude am Fest erneuerter Liebe.
Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Amen.
 

LIED: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

1. O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.
 
3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum mußt du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du mußt uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und mußt uns ganz befreien von aller Menschenscheu.
 
4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.
Melodie: 16. Jhdt.    Text: Philipp Spitta
 
Mögen Sie alle, durch den pfingstlichen Geist berührt, gesegnet in die neue Woche gehen unter der Bitte: „Erleuchte und bewege uns; leite und begleite uns“ (EG 608)!
 
Ihr Pfarrer Volker Schran
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