Andachtstexte

31.01.2021

Über dir geht auf der Herr - Andacht für den letzten Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde,

das Wichtigste für uns alle ist, und hier werden mir die meisten Menschen zustimmen, einmal richtig glücklich zu sein. Der Wunsch, ja der Antrieb dazu ist uns angeboren. Viele Menschen denken, dass das Glücklichsein ein Ziel ist, auf das sie hinarbeiten müssen. Heute bereiten sie sich darauf vor, arbeiten für ihre Zukunft. Die To-do-Liste ist lang: ein gut bezahlter Job, eine glückliche Beziehung, Kinder, ein eigenes Heim, ein sicherer Ruhestand. Sie möchten später einmal richtig glücklich sein. Später wird alles anders sein. Gehört aber all das unbedingt zum Glücklichsein? Wie lautet mein „Glückscode“? Für mich ist er der Augenblick. Das Hier und Jetzt, die kleinen Freuden des Alltags, meine Zeit, die ich mit der Familie und den anderen Menschen teile. Dabei weiß ich, dass ich nicht 24 Stunden am Tag glücklich sein kann, dass ich nicht mein Glück kaufen kann und dass zum Glücklichsein auch solche Zeiten gehören, in denen ich traurig und unglücklich bin.

Oft habe ich Menschen klagen hören, die Schwierigkeiten bei der Erziehung der Kinder oder in der Ehe hatten: „Ach, hätte ich die gemeinsame Zeit doch anders genutzt!“ oder „Ich sollte doch mehr für sie da sein!“ Und je stärker die Verlustgefühle ausgeprägt sind, desto schwerer fällt es den meisten, im Augenblick zu leben und in ihm auch glücklich zu sein. Dabei sind wir von Gott zum „Da-Sein“ geschaffen. In dieses Dasein, in unseren Alltag scheint sein Licht: „Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes 60,2). Gott ermutigt uns in seinem Licht zu leben und verspricht uns, dass das Hier und Jetzt gelingen kann: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Mt 6,34).

Das bedeutet für mich: im Hier und Jetzt ist die Zeit, miteinander zu reden, zu träumen und auch gemeinsam glücklich zu sein, auch wenn uns Sorgen quälen oder wir angstvoll in die Zukunft blicken. Im Hier und Jetzt ist der Tag, sich füreinander Zeit zu nehmen. Ich will nicht erst in einer fernen Zukunft glücklich sein. Ich will nicht mein Glück an verschiedene Bedingungen knüpfen, die erst später erfüllt werden müssen. Ich will im Hier und Jetzt, im Augenblick leben, traurig oder froh, enttäuscht oder glücklich, getragen von der Gewissheit schon von Anbeginn ein kostbares Kind Gottes zu sein. Denn Gott bestätigt mir täglich seine „jetzige“ Gemeinschaft, seine Fürsorge. Wie die Israeliten in der Wüste täglich mit Manna versorgt wurden, so versorgt er mich täglich mit dem, was ich brauche, nicht mehr, und auch nicht weniger, um glücklich zu sein.

Ihr Pfarrer Yuriy Babych

 

Die nächste Andacht lesen Sie hier am 07. Februar 2021, verfasst von Citykirchenpfarrer Falk Schöller.

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